Die schärfsten Chili-Sorten mit Schärfe-Skala im Überblick

Wer gern kocht oder zumindest gern scharf isst, der kommt um die knackigen und bunten Schoten in der Küche kaum herum. Warum also nicht gleich selbst anbauen? Das ist auf dem Balkon ebenso möglich wie im Garten, und das – je nach Chili Sorten – auch auf kleinem Raum.

Wer selbst anbauen will, sollte aber natürlich die Schärfe der einzelnen Chili Sorten kennen, damit die passenden für den eigenen Geschmack ausgewählt werden können. Wir geben dir daher hier einen Überblick über die wichtigsten Sorten.

Außerdem erfährst du, was die Chilis eigentlich scharf macht und was du beim Anpflanzen berücksichtigen solltest.

Die Scoville-Skala

Es gibt eine eigene Skala, auf der man die Schärfegrade von Paprikapflanzen ablesen kann. Sie wurde zu Beginn des 20. Jahrhunderts von Wilbur L. Scovil entwickelt, einem Pharmakologen aus den USA.

Auf dieser Skala lässt sich ablesen, wie viel Capsaicin die getrockneten Schoten der einzelnen Sorten enthalten.

Was ist Capsaicin?

Bei Capsaicin handelt es sich um einen Pflanzenstoff. Er reizt unsere Schleimhäute und spricht die Schmerzrezeptoren an, was wir dann im Mund als typisches Gefühl der Schärfe empfinden. Diese Schmerzempfindung löst im Anschluss einen Endorphin-Kick aus, was wiederum zur Ausschüttung von Glückshormonen führt. Dass scharfes Essen glücklich macht, ist also kein Spuk, sondern ein erklärbarer Umstand!

Gesund ist scharfes Essen übrigens ebenfalls – natürlich nur, solange es im Rahmen bleibt. Gesunde Menschen sollten sich Stück für Stück herantasten, denn man kann sich an Schärfe tatsächlich gewöhnen und sich so weiter steigern. Menschen mit Herzproblemen dagegen sollten mit scharfen Chili Sorten sehr vorsichtig umgehen, da eine zu große Schärfe Atemnot oder einen Kreislaufzusammenbruch auslösen kann.

Wo steckt das Capsaicin?

Der größte Anteil des Capsaicins versteckt sich in den weißlichen Scheidehäuten innerhalb der Chili-Schote. Indem man diese Häute vorsichtig entfernt, kann man die Schärfe also etwas mildern. Aber folgendes solltest du berücksichtigen:

  1. Sobald die Scheidehäute verletzt werden, verteilt sich das Capsaicin auf die restliche Schote.
  2. Trage beim Verarbeiten von Chilis am besten immer Handschuhe, vor allem, wenn es sich um schärfere Sorten handelt.

Die kleinen Kerne der Chilis besitzen übrigens weder Schärfe noch einen eigenen Geschmack. Da sie direkt an der Scheidewand sitzen, geht die dortige Schärfe oft auf die Kerne über.

Notfallreaktion

Falls es doch einmal zu scharf geworden ist: Auf keinen Fall versuchen, die Schärfe durch das Trinken von Wasser zu „löschen“. Capsaicin ist nicht wasserlöslich, und so hilft diese Methode überhaupt nicht. Im Gegenteil: Unter Umständen sorgt das Wasser zudem für eine breitere Verteilung der Schärfe in Mund und Rachen.

Viel hilfreicher ist zum Beispiel ein Glas Milch oder etwas fetthaltiger Joghurt, den das Capsaicin ist fettlöslich und kann so gemildert werden.

Eine Übersicht der Chili-Schärfen

Im Gegensatz zu den ersten Jahren, in denen die Scoville-Werte aufgrund des persönlichen Empfindens von Testpersonen festgelegt wurden, lässt sich der Wert heutzutage chemisch ermitteln. Dennoch sind es nur Durchschnittswerte, da sich die individuelle Schärfe jeder Schote durch verschiedenste Einflüsse verändert haben kann. Eine grobe Hilfe ist eine solche Übersicht aber sicher trotzdem:

Weltweit gibt es mehrere Hundert Chili Sorten. Allein im Bestimmungsbuch „Peppers of the world“ sind über 350 davon aufgelistet. Wir können daher an dieser Stelle nicht alle präsentieren, sondern beschränken uns auf eine Listung der häufigsten und bekanntesten Chili-Sorten.

Zusammen mit der obigen Tabelle wird es dir auf jeden Fall eine grobe Übersicht bieten, mit der du dich bei der Auswahl deiner eigenen Chili Sorten orientieren kannst. Ganz egal, ob du „nur“ scharf essen möchtest oder ob du deine eigenen Chilis anbauen willst.

Die schärfsten Chili-Sorten der Welt

Unter anderem gilt die „Carolina Reaper“ als schärfste Chili der Welt. Mit Werten von 2.200.000 Scoville hat sie es sogar ins Guiness-Buch der Rekorde geschafft. Auch ihr Name kommt nicht von ungefähr, denn „Reaper“ steht auf Deutsch für „Sensenmann“. Gezüchtet wurde sie in South-Carolina.

Die Schoten dieser Chili Sorte sind in ihrer Form eher länglich und mit vielen Furchen versehen. Außerdem haben sie einen recht spitzen Stachel. Ihr Aroma erinnert angeblich an Zimt und Schokolade.

Vergleichbar in dieser absolut extremen Schärfe sollen auch „Pepper X“ und „Dragon`s Breath“ sein.

Immer noch mega scharf

Wenn auch nicht auf Platz 1, doch immer noch mit Werten über 2.000.000 Scoville ausgestattet, ist auch die „Trinidad Moruga Scorpion“ für den normalen Gaumen nicht erträglich. Ihren Ursprung hat sie in Trinidad und Tobago. Für den Namen „Scorpion“ ist der optisch deutlich erkennbare Stachel ausschlaggebend.

Auch die Chili Sorte „Bhut Jolokia“ dürften die meisten Menschen als ungenießbar bezeichnen, denn sie kommt immerhin noch auf über 1.000.000 Scoville. In Indien, wo diese Sorte angebaut wird, tragen sogar die Erntearbeiter Schutzkleidung, um sich vor der Schäre abzusichern!

Von der mexikanischen Halbinsel Yucatan stammt wohl die Chili Sorte Habanero, die ebenfalls zu den ganz scharfen ihrer Art zu zählen ist. Optisch erinnert sie ein wenig an eine Paprika, nur in sehr viel kleinerer Form. Auch hier werden noch bis zu 300.000 Scoville veranschlagt. Ehrgeizige Schärfe-Genießer mögen sie aber aufgrund ihres frischen und fruchtigen Aromas, am liebsten mit Speck umwickelt oder gefüllt.

Eine weitere und mit der Habanero verwandte extrem scharfe Chili Sorte ist die Scotch Bonnet aus der Karibik. Sie kommt immerhin noch auf 100.000 bis 300.000 Scoville und wird aufgrund ihres Geschmacks nach tropischen Früchten in karibischen Gerichten am liebsten frisch zu Chutneys verwendet.

Woher die Thai-Chili stammt, müssen wir natürlich nicht näher erklären. Sie sehen aus wie sehr kleine Peperoni und versammeln in ihrer Länge von gerade einmal rund 3 cm noch eine heftige Schärfe von 100.000 bis 225.000 Scoville. Man bekommt sie auch hier oft in Sträußen mit rund 30 Schoten angeboten. Da die Schoten sehr dünnes Fleisch besitzen, eignen sie sich optimal zum Trockne und aufbewahren.

Scharf, aber gut erträglich

Endlich kommen wir nun auch zu Chili Sorten, die auch für europäische Geschmäcker verträglich sind. Dazu zählt beispielsweise die Chili Sorte Cayenne. Der sogenannte Cayenne-Pfeffer wird daraus gewonnen und nicht – wie sein Name eigentlich vermuten lässt – aus einer Pfefferpflanze. Cayennepfeffer mit Scoville-Werten von 30.000 bis 50.000 wird unter anderem für Pfefferspray und Wärmepflaster verwendet, aber natürlich auch in der Küche – zum Beispiel im Ungarischen Gulasch.

Vermutlich mit am bekanntesten sind die Jalapenos. Sie stammen aus der mexikanischen Küche, wo sie vor allem geräuchert – dann als „Chipotles“ genutzt werden. Der Feuchtigkeitsentzug sorgt für noch mehr Schärfe als sie mit 2.500 bis 8.000 Scoville ohnehin noch haben. Sie schmecken wunderbar in Salsas und Gemüsegerichten oder scharfen Salaten.

Milder Chili-Geschmack

Was auch in unseren Breiten fast immer geht, sind Gewürzpaprika, auch Peperoni genannt. Mit gerade noch 100 bis 1.000 Scoville handelt es sich dabei um die mildesten Varianten. Sie schmecken frisch, eingelegt oder aber getrocknet und gemahlen. Dann wird daraus Paprikapulver.

Der eigene Anbau von Chili

Wenn du deine Chilis selbst anbaust, hast du nicht nur die Schärfe selbst in der Hand, sondern auch noch eine Menge Freude an den schönen Pflanzen. Tatsächlich ist es auch gar nicht so kompliziert, die Chilipflanze auch in unseren Graden anzupflanzen, sofern du auf ein paar Dinge achtest:

  1. Die Chili benötigt einen sonnigen und warmen Standort.
  2. Chilipflanzen haben eine sehr lange Entwicklungszeit. Damit du ernten kannst, musst du mit der Aussaat bereits am Jahresanfang beginnen.
  3. Chili brauchen ausreichend Wasser und Dünger.
  4. Die Luftfeuchtigkeit darf weder zu niedrig noch zu hoch sein, damit die Pflanzen gut gedeihen.
  5. Chilipflanzen können recht groß werden. Für entsprechende Sorten benötigst du also ausreichend Platz und Stützstäbe, an denen sich die Pflanze halten kann.

Der Anbau im Freiland

Du kannst Chilipflanzen ins Gartenbeet setzen und auch in Mischkultur mit anderen Pflanzen benachbarn. Allerdings ist die Zeit sommerlicher Temperaturen bei uns zu kurz für die lange Entwicklungszeit der Pflanze. In diesem Fall müsstest du also eine lange Vorkultur im Innenraum einplanen, bevor du die Pflanze ab stabilen 20 Grad nach draußen pflanzt.

Der Anbau im Gewächshaus

Deutlich besser eignet sich ein Gewächshaus für den Anbau von Chilipflanzen. Dorthin kannst du die Pflanzen schon früher umsiedeln, weil sie dort vor Frost, Wind und Dauerregen geschützt sind und sich schneller entwickeln können. Die Wahrscheinlichkeit einer guten Ernte ist hier deutlich höher und einfacher zu erzielen.

Im Gewächshaus musst du jedoch auf jeden Fall einen sonnigen Platz wählen, sehr regelmäßig wässern und düngen und für genügend Platz sorgen. Besonders wichtig ist außerdem eine gute Belüftung, um die Bestäubung zu begünstigen und Krankheiten vorzubeugen.

Der Anbau von Chilis im Topf

Auch im Topf lässt sich eine Chilipflanze grundsätzlich zum Blühen bringen – die Voraussetzung überhaupt für eine spätere Ernte. Das hat sogar den Vorteil, dass du eine Topfpflanze gut transportieren und somit vor schlechten Wetterbedingungen „retten“ kannst, indem du den Topf an einen geschützteren und wärmeren Platz bringst.

Da der Platz aber auch im größten Topf nun einmal begrenzt ist, kann sich die Chilipflanze nicht ganz so beliebig ausbreiten. Dadurch kann es sein, dass die Pflanze sich nicht ganz so gut entwickelt wie in einem Beet.

In jedem Fall muss der Topf ausreichend groß sein und über ein Abflusslock sowie eine Drainageschicht verfügen. Als Erde solltest du eine hochwertige Gemüseerde verwenden. Außerdem ist natürlich hier erst recht auf eine abgestimmte Bewässerung und Düngung zu achten.

Auch auf die geeignete Sorte für die Topfanpflanzung kann man natürlich achten. Größe und Wuchs sind durchaus unterschiedlich. Kleine Sorten mit einem kurzen aber buschigen Wuchs eignen sich für den Anbau im Topf am besten.

Lässt sich die Schärfe der Schoten beeinflussen?

Allerdings! Und zwar auf zwei verschiedenen Wegen:

  1. Der Erntezeitpunkt
  2. Die Bewässerung
  3. Der Dünger

Der perfekte Erntezeitpunkt

Verantwortlich für die Schärfe der Chili ist das enthaltene Capsaicin, und das lagert sich in den weißen Scheidehäuten innerhalb der Schote ab. Je länger die Schote reift, desto mehr Capsaicin ist enthalten. Wer es möglichst mild möchte, erntet schon im grünen Stadium, denn dann ist die Schote noch gar nicht ausgereift. Direkt zur Vollreife entspricht die Schärfe genau der, die für die jeweilige Sorte angesetzt ist.

Nach dem letzten Reifestadium wird nur noch sehr wenig Capsaicin eingelagert, stattdessen aber Wasser und Kohlenhydrate. Dadurch verringert sich die Schärfe auch dann wieder, möglicherweise geht aber auch Aroma verloren.

Die perfekte Bewässerung für mehr Schärfe

Mithilfe des Capsaicins wehrt die Chilipflanze auch Fressfeinde und Schädlinge ab. Je mehr sich die Pflanze angegriffen fühlt, desto stärker daher die Einlagerung. Kurz gesagt: Je mehr Stress die Pflanze hat, desto schärfer wird sie.

Auch Wasserentzug bedeutet für die Chilipflanze Stress. Daher kann man durch geringere Bewässerung auch die Schärfe erhöhen. Aber Achtung: Grundsätzlich braucht die Chili bei Wärme ausreichend Wasser. Diese Methode kann also auch zu geringerer Ernte führen oder sogar dazu, dass die Pflanze vertrocknet.

Die richtige Düngung für mehr Schärfe

Da Chilipflanzen zu den Starkzehrern gehören, benötigen sie eine Menge an Nährstoffen, vor allem Kalium. Als Basis ist ein organischer Langzeitdünger – wie zum Beispiel Tomatendünger – optimal geeignet. In bestimmten Phasen kann dann mit Flüssigdünger die Wirkung noch gezielt verstärkt werden.

Professionelle Züchter von Chilis in den USA setzen häufig auf einen Wurmdünger mit hochkonzentrierten Mineral- und Nährstoffen. Dieser soll nicht nur das Wachstum, sondern auch die Schärfe positiv beeinflussen. 

Claudia hat ihre Gartenleidenschaft erst spät erkannt, ist ihr dann aber umso mehr nachgegangen und hat durch viel Ausprobieren autodidaktisch viel gelernt. Eigenes Ausprobieren findet sie dabei wichtiger als strengen Regeln immer zu folgen. Während sie in ihrem Beruf als Redakteurin viel Zeit am Schreibtisch verbringt, geht es in jeder freien Minute in den Garten. Dort ist aus einem ursprünglichen Acker innerhalb von rund zehn Jahren ein naturnaher und abwechslungsreicher Garten entstanden. Neben zahlreichen Staudenbeeten, Bäumen und Topfpflanzen sind dort auch Gemüse, Obst und Wein angebaut.

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